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The Stark Knight

25 Sep

Gestern Nacht habe ich einen überraschenden Film mit meinen Zieheltern aus der Videothek ausgeliehen. Ich denke, jetzt muss ich mir einen Umhang stricken.

Es ist bereits tiefste Nacht wenn sich Arthur Poppington aus seinem blütenweißen Schlafeinteiler herausschält. Im Radio fegt die mahnende Stimme des Moderators durch die zwielichtige Luft der Werkstatt.  Müde quält sich Arthur aus seinem Bett. Sein Weg ist gekreuzt von sorgfältig gestapelten Comicheften, Leuchtfackeln und einem Wespenstock.

Sobald Arthur Poppington die Werkstattür hinter sich zuschlägt und zu seinem gelben Monstrum von Fahrzeug marschiert ist er jemand anders. Er ist „Defendor“. In schwarzem Dress mit grauem „D“ auf der Brust, Stahlhelm, Taschenlampen und Nachtsichtgerät aus dem Spielzeugladen stellt er sich der Ungerechtigkeit der Menschheit.  Arthur Poppington ist ein Superheld. Ohne Superkräfte.

In dem gleichnamigen kanadischen Film „Defendor“ von Peter Stebbings bringt Woody Harrelson in der Hauptrolle seine Feinde mit Murmeln zum taumeln, mit einem Knüppel zum Schweigen und einem Glas voll Wespen zum Fliehen. In den USA verschwand die 3,5 Millionen Dollar teure Produktion bereits nach zwei Wochen aus den Lichtspielhäusern. Am 20. Mai erschien die DVD dazu bei uns in Deutschland.Defendor

Das Szenario des Filmes scheint nicht ungewöhnlich zu sein: Junge will seine Mutter rächen und bekämpft das Verbrechen. Das er dabei selbst in den Sog gerät ist klar. Auch das er Freunde, hier personisiert durch die Prostituierte „Cat“ (Kat Dennings), findet ist nichts ungewöhnliches. So weit, so klar. „Defendor“ ist aber weit mehr als nur dieser rote Faden.
Arthur Poppington ist geistig zurückgeblieben und hat seine eigene Definition von Gut und Böse.  Etwas langsam im Denken wird er durch sein Alter Ego zu einem komplett anderen Menschen: mutig, furchtlos und taktisch sehr geschickt. „Unterstützt“ wird er bei seinem Feldzug gegen das Verbrechen von seinem Vierbeinigen Begleiter „Defendog“, einer Art Wackeldackel.

Komische Elemente vermischen sich auf großartige Weise mit dem ernsten Grundtenor. Wie weit darf Selbstjustiz gehen? Was ist Gut? Was kann ein einzelner Mensch leisten? Mit Hilfe des unheldenhaften Superhelden kommt Defendor diesen Fragen in knapp 100 Minuten auf die Schliche.
Die tragische Hintergrundgeschichte wirkt ernstzunehmender als bei anderen Superheldenstreifen und gerade der geistige Zustand des Helden macht dieses Werk zu einem grandiosen Stück Filmkunst, das leider unbeachtet seine Existenz in den staubigen Ecken der DVD – Abteilung fristen muss.

Arthur Poppington ist ein Superheld, wie man sich ihn wünscht. Er bewegt Menschen zu Größeren, er bringt sie zum Stauen und beweist: auch gewöhnliche Menschen können außergewöhnliche Dinge leisten.
Gestatten, Arthur Poppington – Supermensch und Held.

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Defendor

mit Kat Dennings, Woody Harrelson, Sandra Oh

98 Minuten

Sony Pictures Home Entertainment

Link zum Film

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