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Intermezzo: Meine erste Reise, oder warum Unwissenheit gut sein kann

3 Sep

Fünf Tage und Nächte. So lange waren meine Eltern und ich in Rom. Natürlich bestand unsere Reise nicht nur aus „fliegen“ in diesen eigenartigen Eisenvögeln, schlafen, Rumpeln und Kofferkontrolle. Es wurde viel gesehen und tausende Fotos wurden gemacht *. So finden sich hier einige dieser Momente wieder:

(von links nach rechts)

1. Ich und das Collosseum

2. Hier schwitze ich nicht etwa, ich bin nur müde…

3. In der Hoffnung meine weißen Stellen verschwinden, sonnte ich mich vor dem Collosseum**

4. Einfallendes Licht in diesem „Pantheon“

5. Keine Taube auf dem Dach, aber auf dem „Vier-Ströme-Brunnen“

6. Ich und der Petersplatz

7.  Ich bin leider nicht zu sehen, dafür aber die Treppen zum Vatikanmuseum

8. Ich und Michael auf der Engelsburg

9. Für mich die spanische Treppe- für meine Eltern nach stundenlangem Treppensteigen im Petersdom: die Hölle

10.  Hier sieht man, wie gut ich auf Koffer aufpasse

* Das Wort „Foto“ hat der Autor sehr schnell kennen und vor allem lieben gelernt, wenn man die nachfolgenden Bilder betrachtet.

** Nach dem Sonnenbad entstand der Eindruck, dass das schwarz-weiß Muster des Autors eher ein schwarz-schwarz Muster war.

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Meine erste Reise, oder warum Unwissenheit gut sein kann (3)

31 Aug

Dritter Teil: Und es ist Donnerstag

Es war 13:15 Uhr. Langsam scharrten sich die Menschenmassen um den Flughafenschalter wie ein Rudel Wölfe um meine Schafherde.

Der Donnerstag brach an, und wir flogen nach 5 Tagen und Nächten wieder aus Rom ab.  Die Füße qualmten sichtlich und Indianer wären auf unsere Rauchzeichen, die wir damit machen konnten, neidisch gewesen. Nun ja, also meine Füße* waren ja eigentlich noch geschont worden, wurde ich doch freundlicherweise die meiste Zeit über getragen.

Viel gab es in Rom zu sehen und wurde von uns auch gesehen: vom Colloseum, über das Pantheon hin zur Sixtinischen Kapelle.  Das Rom so groß und vorallem auch heiß sein konnte hatte ich nicht geahnt. Ich glaube mein Fell war für diese Temperaturen nicht so gut geeignet wie ich gedacht hatte.

Nun aber wieder hin zum Flughafenschalter. Nachdem ich bei meinem zweiten Ritt auf dem Eisenvogel nicht mehr in seinem Bauch landen wollte, entschied ich mich -entgegen meinem Job als Kofferwächter- mit bei Mutti und Vati zu sitzen.

Die Masse bewegte sich nach vorn.  Es wurden vor uns Luken geöffnet in die wir dann hineingingen. Überall waren rote Sitze zu sehen auf die auch meine Eltern zusteuerten. Als wir endlich Platz nahmen im Eisenvogel war ich zufrieden. Dieser Teil war deutlich angenehmer als sein dunkler und stickiger Bauch…

Ich wachte durch das gewohnte Rumpeln im Vogel auf. Die Reise war wohl doch anstrengender für mich als gedacht. Ich schaute mich um, meine Eltern saßen neben mir und ich war beruhigt… Es rumpelte wieder und ich hörte neben mir jemanden leise schluchzen. Doch bevor ich mich wieder schauen konnte wer es war rumpelte es erneut – diesmal heftiger als je zuvor. Um uns herum wurde es lauter und die Stimmen aufgeregter. Meine Eltern schlossen zur Vorsicht die Gurte und wir drei hielten uns ganz fest. Das Rumpeln  ging beständig weiter.

Ich erinnerte mich an unseren Abflug und an die Zeitung, die mein Vater noch voller Stolz gekauft hatte. Oft war die Rede davon, dass diese Eisenvögel abstürzten oder sie grade andere „Krankheiten“ hatten, die ihren Flug beeinträchtigt hatten. In meinem Magen zwickte es und er zog sich zusammen.  Ich wusste bis dahin nicht, was dies war, was ich dort gefühlt hatte. Jetzt denke ich, es war Angst**

Eine blecherne Stimme erklang. Meine Mutti sagte mir, es war der Pilot, also so etwas wie der Dompteur dieses Vogels. Er warnte uns, dass unser weiterer Flug ein wenig ungemütlich werden könnte. Beruhigend war die Warnung dieses Menschen natürlich nicht. Als er dann noch von einem Unwetter oder Gewitter sprach ging die bis dahin noch vorhandene Ruhe gänzlich verloren…

* Eigentlich ist die Bezeichnung Fuß bei dem Autor gänzlich unangebracht. Möchte man den Begriff Fuß anbringen, ist es eher ein „Fußhuf“  mit der Betonung auf Huf.

** Oder so etwas ähnliches… Richtige Angst haben solche Wesen wie der Autor natürlich nicht.

Meine erste Reise, oder warum Unwissenheit gut sein kann (2)

1 Aug

Zweiter Teil: Der Flug

…Ich wachte auf. Auf Koffer aufzupassen war anstrengender, als ich es erwartet hatte. Es war immer noch dunkel um mich herum. Das Rumpeln des Koffers wurde durch ein durchdringendes Rauschen ersetzt. Das musste wohl „fliegen“ sein. * Ich versuchte den Koffer zu öffnen, leider waren meine Hufe gänzlich ungeeignet dafür.  So wartete ich ab und passte weiter auf.

Es verging eine Ewigkeit, aber dann ging endlich das Rumpeln wieder los. Kurz danach hörte ich auch schon die Stimmen meiner Eltern, die nach mir gesucht hatten.

Jetzt sah ich Rom. Komischerweise sah es hier nicht anders auf dem Flughafen aus, als an unserem Abflugort.  Aber dafür wich die Sprache der Menschen von unserer ab , alles klang ziemlich verwirrend.  Zum Glück wusste ich aber schon dass diese Sprache „Italienisch“ hieß – meine Mutti hatte zu Haus fleißig geübt.

Und dann geschah es… Nichts ahnend kam mein Vati freudestrahlend mit einer großen Zeitung an. ** Es war „Die Zeit“.  Um seine Freude zu erklären: leider gibt es bei uns in der Region kaum oder keine Händler mit solchen Zeitungen, und so ist es ein großes Glück wenn man die Zeit „einfängt“ – deshalb war es ihm auch egal, das diese Ausgabe schon ein paar Wochen älter war.

Also schlug er sie mit der Flinkheit eines Fuchses, der vor dem Jäger flüchtet auf und las uns vor.  Viel war zu lesen von Flugzeugunglücken, Flugzeugteilen und Blitzen . *** Natürlich wollte ich als Kofferwächter keine Angst zeigen und dachte nur, dass uns so etwas nie passieren könnte. Leider konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand etwas von unserem Rückflug ahnen…

* Hierzu muss gesagt werden, dass der Autor zu diesem Zeitpunkt noch kein genaue Vorstellung hatte, was „fliegen“ – abgesehen davon, dass man in großen, stählernen Vögeln sitzt –  eigentlich bedeutete.

** Zebras sind außergewöhnlich begabte Geschöpfe wenn es um „schwarz-weiß Themen“ geht. So lernen sie sehr schnell lesen und alles im Zusammenhang mit diesem zu verstehen.

*** Die armen Stahlvögel mussten ziemlich hart aufgekommen sein, wenn sie geteilt waren…

Meine erste Reise, oder warum Unwissenheit gut sein kann (1)

29 Jul

Erster Teil: Die Abreise

Es war vor ungefähr zwei Wochen. Die Uhr schlug gerade zum sechsten Mal und die Aufregung stieg, wie die Flut in einer Schatzhöhle, unaufhaltsam an. Sachen und Wörter flogen wild umher. Glücklicherweise nicht auf mich, sondern in den Koffer – wir waren am Packen.*  Einen Tag danach sollte es nach Rom gehen.

Es verging eine kleine Ewigkeit, aber irgendwann waren wir endlich fertig. Kurzerhand kontrollierte ich die Koffer noch einmal – es konnte ja schließlich sein, dass meine Zieheltern etwas vergessen hatten – machte diese dann zu und wir schliefen das letzte Mal vor dem großen Tag ein.

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Morgens aufgewacht beschlich mich ein unangenehmes Gefühl – wir werden wirklich nach Rom fliegen. Es war merkwürdig, denn meine Eltern haben mir gesagt, dass wir unsere Koffer nicht mit bei uns haben dürfen – diese müssten extra gelagert werden.

Auf der Fahrt zum Flughafen überlegte ich mir also, wie ich mein flaues Gefühl verbessern konnte. Ich hatte eine Idee: ich reiste im Koffer mit! Denn was gab es schlimmeres, wenn man selbst gut am Reiseziel ankommt aber der Koffer nicht. Das konnte ich nicht zulassen und so erwachte mein Wächterinstinkt.

Es wurde dunkel, als ich mich im Koffer versteckte und dann fing es an zu rumpeln….

* Der Autor trug beim Packen natürlich die schwerste Bürde – die der Verantwortung.

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