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Aufgelesen: Der Schäfer, der Wind, der Wolf und das Meer – Auf den Schwingen des Windes

30 Okt

Zwischen wütenden Schneestürmen und knisternden Kaminfeuern. In der Herbst- und Winterzeit werden jeden Samstag die schönsten Geschichten für Jung und Alt vorgestellt.

Einar Turkowski, ein Mann aus Blei aus Träumerei. Der deutsche Illustrator zeichnet sich mit grafitschimmerndem Werkzeug hauchfeine Welten aus Strich, Nebel und Märchen. Zwischen filigraner Kunst und technischer Zeichnung wabern seine Werke in einer eigenen Sphäre.
In „Der Schäfer, der Wind, der Wolf und das Meer“ geht Turkowski noch einen Schritt weiter. Im Gegensatz zu den idyllisch anmutenden Sätzchen beschreiben die Zeichnungen eine gnadenlos technisierte Welt.
Der namenlose irischer Schäfer – ein Bastler und Tüftler, der mehr mit dem Holzpuppenvater Geppetto gemein hat, als mit einem vollbärtig gemütlichen Iren – erkennt, dass er zu große Angst hat eines seiner geliebten Schafe zu verlieren. Gleichsam sind diese allesamt mechanisch, bestehen aus Federn, Schrauben und Zahnrädern und werden eher durch Rost oder verlorene Federspannkraft außer Gefecht gesetzt, als durch Krankheiten. Die Unberechenbarkeit der Natur: abgeschafft.
Trotz allem verlässt er seine Schafe, und erst als der Schäfer ein Schiff namens „Pandora“ besteigt und aufs aufgewühlte Meer hinausfährt, findet er den Frieden mit sich.
Ein illustriertes Buch, das mit kindlicher Leichtigkeit und Faszination auf wundersame Art und Weise das Wesen unserer Gesellschaft beschreibt. Ohne Schwindelgefühl.
Im Sog der feinen Punkte und Striche entblättert sich Schritt für Schritt die Geschichte Turkowski in unseren Gedanken, nistet sich in den Untiefen des Verstandes ein und verlässt seinen Platz nie mehr.

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Der Schäfer, der Wind, der Wolf und das Meer – Einar Turkowski

32 S., 198 x 166 mm

Gerstenberg Verlag

ISBN 978-3-8369-5273-6; 12,95 Euro

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