#1: Über einen neuen Anfang, glühende Hitze und eine wunderbare Erfindung

10 Jun

Liebes Tagebuch,

ich schreibe heut meine ersten Zeilen.

Es gibt hierfür zwei Gründe. Einerseits möchte ich schreiben. Besser gesagt, ich möchte mich im Schreiben üben und verbessern. Zebras haben zwar ein natürlichen Talent, was das gedruckte und geschriebene Wort angeht, aber dieses Talent muss ich nun auch weiter fördern.

Der zweite und überaus wichtige Grund ist, ich möchte nicht vergessen. Ich möchte mich an jeden Tag meines Lebens erinnern können: an alle Tage, an denen ich meinen Pelz mit Schokolade beschmiere, mich mit dem Hund meines Ziehvaters um das beste Schlafplätzchen balge oder auch, an diese Tage, an denen ich neue Erfindungen mache – so wie heute:

Der Schweiß tropfte an meiner Stirn herunter, glitt rasant an meinen rabenschwarzen Knopfaugen vorbei und bildete kleine glitzernde Seen auf meinen Nüstern. Ich schniefte und schnaubte. Ich pustete und prustete. Nur das kratzige Rauschen des großen Standgebläses im Zimmer übertönte meine Versuche mich abzukühlen.

Nichts half.  Da es nun aber schon Abendbrotszeit war und auch gerade zu Tisch gerufen wurde hatte ich meinen genialen Einfall. Ich schleppte mich auf allen Vieren in die Küche nach unten, setzte mich an den Tisch, die Gabel in der einen Hand haltend und das Messer in der anderen.  Ich starrte die goldbraunen Brotscheiben im Korb an, längliche Streifen Wüste auf den Weg in meinen Mund. Ich musste meine Idee einfach austesten.

Schnell stand ich auf, stolperte wie ein junges Fohlen auf dem Weg zur Stute zum Kühlschrank und barg den heiligen Gral der Tiefkühltruhe: Langnese „Kirschzauber“. Gefrorenes Wasser, eine Eispackung, der Ausweg. Ich flitzte wieder zurück zum Tisch, das Eis unter dem Arm und nahm mein Messer. Eine Minute später war es geboren: mein „Icewitch“ – Eis auf einer zwei Scheiben Schwarzbrot und es schmeckte besser als es sich anhört. Man kann es mit einem Marmeladenbrot vergleichen, nur eben eisgekühlt.

Ich glaube ich lasse mir meine Erfindung patentieren und schaffe eine weltweit agierende Fastfoodkette. Mein persöhnliches „Icewitch“ – Imperium: der Sommer zwischen zwei Brotscheiben.

Aber nun ist es genug zu meiner genialen Erfindung, ein wenig muss es bis man in Paris, London, New York und Berlin die ersten Filialen eröffnet ja auch mysteriös und geheimnissvoll bleiben.

Ansonsten, liebes Tagebuch, ist heut nicht so viel passiert. Mein Ziehvater vergaß mich zur Uni mitzunehmen und hatte auch noch keine Lust mir über seinen Tag zu berichten. Den Rest des Tages habe ich leider verschlafen, aber was sollte man auch sonst machen bei gefühlten 40°C und eine Luftfeuchtigkeit von über 70%? Ich hoffe morgen vergisst er mich nicht wieder. Ich höre gern bei ihm in den Vorlesungen zu.

Bis dahin,

Gute Nacht und Määähh.

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