Das Licht und Ich (1)

24 Sep

Erster Teil: Wie ich den Herbst entdeckte

Mähggy und ich sprangen. Der Wind umspielte meine Nase und Ohren. Der Zaun war ziemlich hoch, aber wir hatten es geschafft – wir hatten ihn überquert und fanden uns endlich auf der Wiese des Nachbarn wieder. Taufrisches, mintgrünes Gras soweit das Auge reichte, hier und da ein paar junge Kleeblätter – dies musste das Paradies sein.

Der leichte Sommerregen ließ tausende kleiner Spiegel in unserer Wolle funkeln. Plötzlich wandelte er sich. Mit der tosenden Wut von Eltern, die ihr Kind gerade von der Polizeistation abholen müssen, wurde es zu einem Sturm…

Regen prasselte an mein Fenster. Wind pfiff umher und rüttelte an den Wipfeln der Bäume. Ich wachte auf*. …Es war wieder einer meiner Schafsträume. Schnell schaltete ich das Licht an und versuchte mich wieder zu ordnen. Nach einigen Sekunden war es dann auch soweit, dass ich etwas sehen konnte**. Ein kurzer Blick auf den Kalender sollte auch den restlichen Teil meines Kopfes von der morgentlichen Verwirrung befreien: 23. September – so war also „Herbst“.  Ich schnappte mir meine Decke, wickelte mich fest darin ein und wankte wie ein schnaufendes Gnu langsam nach unten in die Küche, um mir eine Tasse Kakao zu machen.

Überall fühlte man das triste Grau, dass draußen den Himmel bedeckte. Zwielicht füllte jede Ecke des Hauses und hielt auch die Küche fest in seiner wabernden Hand. Also dachte ich mir, schalte ich auch hier das Licht an: es flackerte kurz, dann kroch langsam ein kühles und weißes Licht voran. Mit der Schnelligkeit einer Rennschnecke füllte es die Küche und ließ mich das Kakaopulver finden. Auf der Suche nach einem geeigneten Behälter fiel mir plötzlich eine kleine Pappkiste auf. Ein gelber Blitz war darauf zu sehen. …

* Leider war das Einzige, wodurch der Autor zu diesem Zeitpunkt geweckt werden könnte, nur das fröhliche Zwitschern der Vögel oder dem gleißenden Licht der Sonne. Er hielt es aber für klüger dieser Erzählung einen gewissen dramaturgischen Effekt zu verleihen.

** Die Zeitspanne, die zwischen dem Einschalten des Lichtes und dem ersten Bild auf dem Auge des Autors verstrich, ist – wie man später bemerkt –  nicht nur alleine auf die müden Augen des Autors zurückzuführen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: