Archiv | September, 2009

Das Licht und Ich (1)

24 Sep

Erster Teil: Wie ich den Herbst entdeckte

Mähggy und ich sprangen. Der Wind umspielte meine Nase und Ohren. Der Zaun war ziemlich hoch, aber wir hatten es geschafft – wir hatten ihn überquert und fanden uns endlich auf der Wiese des Nachbarn wieder. Taufrisches, mintgrünes Gras soweit das Auge reichte, hier und da ein paar junge Kleeblätter – dies musste das Paradies sein.

Der leichte Sommerregen ließ tausende kleiner Spiegel in unserer Wolle funkeln. Plötzlich wandelte er sich. Mit der tosenden Wut von Eltern, die ihr Kind gerade von der Polizeistation abholen müssen, wurde es zu einem Sturm…

Regen prasselte an mein Fenster. Wind pfiff umher und rüttelte an den Wipfeln der Bäume. Ich wachte auf*. …Es war wieder einer meiner Schafsträume. Schnell schaltete ich das Licht an und versuchte mich wieder zu ordnen. Nach einigen Sekunden war es dann auch soweit, dass ich etwas sehen konnte**. Ein kurzer Blick auf den Kalender sollte auch den restlichen Teil meines Kopfes von der morgentlichen Verwirrung befreien: 23. September – so war also „Herbst“.  Ich schnappte mir meine Decke, wickelte mich fest darin ein und wankte wie ein schnaufendes Gnu langsam nach unten in die Küche, um mir eine Tasse Kakao zu machen.

Überall fühlte man das triste Grau, dass draußen den Himmel bedeckte. Zwielicht füllte jede Ecke des Hauses und hielt auch die Küche fest in seiner wabernden Hand. Also dachte ich mir, schalte ich auch hier das Licht an: es flackerte kurz, dann kroch langsam ein kühles und weißes Licht voran. Mit der Schnelligkeit einer Rennschnecke füllte es die Küche und ließ mich das Kakaopulver finden. Auf der Suche nach einem geeigneten Behälter fiel mir plötzlich eine kleine Pappkiste auf. Ein gelber Blitz war darauf zu sehen. …

* Leider war das Einzige, wodurch der Autor zu diesem Zeitpunkt geweckt werden könnte, nur das fröhliche Zwitschern der Vögel oder dem gleißenden Licht der Sonne. Er hielt es aber für klüger dieser Erzählung einen gewissen dramaturgischen Effekt zu verleihen.

** Die Zeitspanne, die zwischen dem Einschalten des Lichtes und dem ersten Bild auf dem Auge des Autors verstrich, ist – wie man später bemerkt –  nicht nur alleine auf die müden Augen des Autors zurückzuführen.

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Wie wir das Internet neu entdeckten – ein Facebook Abenteuer

18 Sep

*Klick ratt ratt rrrrttt*

Es ratterte in diesem Moment nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in den Tasten. Die Finger huschten wie tollwütige Mäuse über die Tastatur. Ein zartes Blau umhüllte den Bildschirm und die heiße Kakaotasse verweilte bedrohlich im Rücken meines Vatis.

*Klick ratt ratt rrrrttt*

Endlich hatte ich ihn so weit: er meldete sich bei Facebook an. Lange hatte es gedauert und viel Kraft hat es gekostet*. Überall liest und sieht man etwas darüber – beim Stern genauso wie bei „taff„**. Facebook bewegt, informiert und verbindet die Menschen. So sollte endlich auch mein Vati sich im Internet präsentieren können.

Nachdem mir fast alle Argumente ausgingen, habe ich es mit Artikeln in diversen Weblogs versucht. Irgendetwas musste ihn davon überzeugen, dass er Facebook braucht und man nicht ohne kann.

Schließlich fand ich diesen interessanten Artikel über das Netzwerk: darin untersagten die Iranischen Behörden den Zugriff auf Facebook, weil der Präsidentschaftsbewerber Mir-Hossein Mussawi das Netzwerk nutzte, um seine Ansichten bekannter zu machen. Der Autor führte an diesem Beispiel endlich überzeugend die Vorteile auf, die das virtuelle Netzwerk zu bieten hat.

Unter der Kraft der Öffentlichkeit wurde Facebook im Iran verboten und bei uns endlich eingeführt. Er konnte sich nicht mehr wehren und ist (mit mir) nun auch in diesem Netzwerk unter Mathias Brose zu finden. Nur eine negative Auswirkung musste ich anschließend spüren – mein Kakao war kalt.

* Glücklicherweise ermöglichte das Argument des heißen Kakaos ein schnelleres Vorankommen als geplant.

** Der Autor besitzt ein ausgerägtes Interesse für „Klatsch und Tratsch“, wobei er es doch als Unsinn betrachtet, die ganze Zeit klatschen zu sollen.

Herr Eberhards Gespür für Schnee

8 Sep

Der weiche Kakaoduft zieht langsam in meine Nüstern und erinnert mich daran, dass ich nicht schlafen konnte. Mit einer Decke über meine Beine gestreift sitze ich vor dem Computer und starre in das fahle Licht des Bildschirms.

Es ist 8 Uhr am Morgen. Aus meinem Gesicht sind nun alle Streifen verschwunden und es zeigt ein einheitliches Weiß. Warum ich nicht schlafen konnte verstehe ich nicht, sonst habe ich damit nie Probleme.

Zur Ablenkung zwitschere* ich hier und da ein wenig und dann fällt mir etwas in meine süßen Knopfaugen, was mich sehr verwirrt. Auf der Seite der London Times muss ich folgendes lesen:

Mayor of Moscow announces plan to put a freeze on snow in the city

Darunter prangert ein Bild des verschneiten** Roten Platzes.

SNOW385_610340a

Diese Überschrift will natürlich weitergelesen werden und genau dies tue ich: Der Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkow hat die Idee Moskau zu einer schneefreien Zone zu machen, um die Kosten für den Winterdienst zu senken. Wie stellt man das am besten an?

Natürlich, indem man die schneetragenden Wolken im Umkreis von 60 Kilometern künstlich „zerreißt“***. Mit Hilfe dieser, mir unbeliebten „Flugzeuge“ bringen die Dompteure eine Mischung aus Stickstoff, einer Silberlegierung und Zementpuder in die Luft.

Zum Glück hatte ich kurz vorher noch ein paar Perry Rhodan Hefte gelesen, so kann ich mir das besser vorstellen. Aber ich erfahre, dass so etwas sogar schon praktiziert wird zu besondern Anlässen, wie bei der Parade am 9. Mai zum Sieg im zweiten Weltkrieg.

Der Kakao ist inzwischen kalt, die Decke ist weggestrampelt, aber meine Verwunderung bleibt. Nicht nur, dass diese Idee Risiken und Probleme birgt: einerseits für die Vororte Moskaus – die mit dem Niederschlag, den sie dadurch hätten, höhere Kosten für den Winterdienst haben würden – und andererseits besteht ein Problem in der Durchführbarkeit dieser Idee. Denn wenn sich die Bedingungen des Wetters alle 20 bis 30 Minuten ändern, lohnt es sich dann diese Wolken zu „zerreißen“?

Ermüdet versuche ich noch einmal zu schlafen. Lege mich in mein schneefreies Bett und träume von „Väterchen Frost“…

* Einige seltene Zebraarten beherrschen diese, eigentlich Vögeln vorbehaltene Technik, sensationell gut.

** Was Schnee ist, weiß der Autor natürlich auch, denn nicht nur mit „schwarz-weiß- Dingen“ kennt er sich aus, sondern auch mit rein weißen oder schwarzen Themen.

*** Hier war der Autor für eine Minute verängstigt, ob auch die fluffige Schäfchenwolke vor seinem Fenster dieses Schicksal ereilen könnte.

Anhang: weiterführende Information zur Wetterbeeinflussung hier
Text- und Bildquelle: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article6824041.ece#cid=OTC-RSS&attr=3392178

Intermezzo: Meine erste Reise, oder warum Unwissenheit gut sein kann

3 Sep

Fünf Tage und Nächte. So lange waren meine Eltern und ich in Rom. Natürlich bestand unsere Reise nicht nur aus „fliegen“ in diesen eigenartigen Eisenvögeln, schlafen, Rumpeln und Kofferkontrolle. Es wurde viel gesehen und tausende Fotos wurden gemacht *. So finden sich hier einige dieser Momente wieder:

(von links nach rechts)

1. Ich und das Collosseum

2. Hier schwitze ich nicht etwa, ich bin nur müde…

3. In der Hoffnung meine weißen Stellen verschwinden, sonnte ich mich vor dem Collosseum**

4. Einfallendes Licht in diesem „Pantheon“

5. Keine Taube auf dem Dach, aber auf dem „Vier-Ströme-Brunnen“

6. Ich und der Petersplatz

7.  Ich bin leider nicht zu sehen, dafür aber die Treppen zum Vatikanmuseum

8. Ich und Michael auf der Engelsburg

9. Für mich die spanische Treppe- für meine Eltern nach stundenlangem Treppensteigen im Petersdom: die Hölle

10.  Hier sieht man, wie gut ich auf Koffer aufpasse

* Das Wort „Foto“ hat der Autor sehr schnell kennen und vor allem lieben gelernt, wenn man die nachfolgenden Bilder betrachtet.

** Nach dem Sonnenbad entstand der Eindruck, dass das schwarz-weiß Muster des Autors eher ein schwarz-schwarz Muster war.

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